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Zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf der Hypo Tirol Bank Italien beträgt 114 Millionen Euro

Umfassende Überprüfungen der Kreditakten in Italien bestätigen die Hochrechnungen des Vorstands für das Jahr 2011 – Vollbank-Lizenz in Italien wird zurückgelegt

Innsbruck, 16.04.2012: Die im Dezember 2011 vorgenommenen Hochrechnungen zum zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf bei der Hypo Tirol Bank Italien halten. Zu diesem Ergebnis kommt die Task Force der Hypo Tirol Bank nach einer vom Aufsichtsrat verlangten umfassenden Prüfung der Kreditakten in Italien. „Wir sind trotz dieses negativen Ergebnisses froh, dass die im Dezember getroffenen Hochrechnungen nicht überschritten wurden. Nun können und müssen wir uns wieder voll auf unsere Zukunftsaufgaben als Landesbank konzentrieren und den vom Eigentümer vorgegebenen Weg weitergehen“, erläutert Vorstandsvorsitzender Dr. Markus Jochum.

Ausleihungsvolumen von 1,037 Milliarden Euro im Detail geprüft

In der Planung zum Geschäftsjahr 2011 war bei der Hypo Tirol Bank Italien ein Wertberichtigungsbedarf von ca. 11 Millionen Euro vorgesehen. 125 Millionen Euro sind nach der Prüfung durch die Task Force Italien nun der tatsächliche Wertberichtigungsbedarf. Der zusätzliche Wertberichtigungsbedarf liegt somit bei 114 Millionen Euro. „Wir haben alle 348 Kredite mit einem Ausleihungsvolumen von über 750.000 Euro einzeln geprüft. Die vergebenen Kredite unter 750.000 Euro wurden stichprobenartig untersucht. Dies entspricht einer Überprüfung von ca. 85 % des gesamten Ausleihungsvolumens oder – in Euro ausgedrückt – von 1,037 Milliarden Euro. Aufgrund dieser vom Eigentümer und Aufsichtsrat geforderten quasi „Vollprüfung“ können wir diese klaren Aussagen zum Wertberichtigungsbedarf tätigen. Es hat bisher niemals einen derartig umfassenden Kenntnisstand zur Kreditvergabe in Italien gegeben“, hält Jochum fest.

80 Prozent der notleidenden Kredite wurden zwischen 2003 und 2008 vergeben

Der überwiegende Teil der notleidenden Kredite wurde in den Jahren zwischen 2003 und 2008 vergeben. „Die Prüfung hat gezeigt, dass in diesen Jahren das überdurchschnittlich hohe Wachstum mit erhöhten Risiken erkauft wurde. Die Quote der notleidenden Kredite (non performing loans) liegt bei über 37 Prozent. Dies übersteigt das Durchschnittsrisiko vergleichbarer Kreditportfolios um ein Vielfaches. Noch dramatischer ist diese Zahl, wenn man sich die Kredite ansieht, welche außerhalb des italienischen Kernmarkts Südtirol und Trentino vergeben wurden. Hier sind über 45 % der Kredite notleidend“, so Jochum weiter.

Grundmuster bei der Vergabe notleidender Kredite erkennbar

Im Rahmen der Aktenprüfung sind den Mitarbeitern der Task Force bei notleidenden Krediten häufig ähnliche Grundmuster bei der Vergabe aufgefallen. „Offensichtlich kam ein sehr großer Anteil der Kredite über Vermittler. Auffallend ist weiters, dass mehr als 50 % der Kredite außerhalb des Kernmarkts Südtirol/Trentino vergeben wurden und dass viele große Einzelengagements getätigt wurden. Auch wurden immer wieder unfertige Projekte, Projekte, die nicht umgesetzt wurden bzw. seit Jahren auf Umsetzung warten sowie Spekulationsobjekte finanziert. Zudem wurden des Öfteren Schätzungen mit Hoffnungswerten erstellt, die sich nicht erfüllt haben“, erläutert Vorstand Mag. Johann Kollreider. „Hier wurde sehr sorglos vorgegangen. Hätten Landeshauptmann Günter Platter und der heutige Aufsichtsratsvorsitzende Wilfried Stauder das Wachstum nicht gestoppt, wären das Volumen und damit die Ausfälle noch höher. Inwieweit mangelnde Sorgfalt im straf- bzw. zivilrechtlichen Sinne vorliegt, wird von der Staatsanwaltschaft bzw. unseren Rechtsanwälten geprüft“, erklärt Kollreider. „Sollten rechtlich relevante Verfehlungen vorliegen, werden wir zum Schutze des Eigentümers und der Bank alle notwendigen Schritte einleiten“, untermauert Kollreider die weitere Vorgehensweise.

Drei Monate akribische Kleinstarbeit

Hinter den Mitarbeitern der Task Force der Hypo Tirol Bank liegen drei Monate akribische Kleinstarbeit. 30 Mitarbeiter haben zwischen Anfang Jänner und Ende März ungefähr 350 Kreditakten geprüft. „Je nach fehlenden Unterlagen dauert die Prüfung eines Kreditakts zwischen einer Stunde und drei bis vier Tagen. Eine Prüfung umfasst dabei die Dokumentation des Vergabeprozesses, die Bewertung des zu finanzierenden Projekts inkl. Marktchancen etc. sowie der damit verbundenen Sicherheiten, das Prüfen der Bonität des Kunden, die Rückzahlungsfähigkeit und viele Punkte mehr. Viele Informationen sind dabei äußerst kompliziert zu erheben und benötigen die Bewertung durch Experten. Dies trifft vor allem auf die Bewertung von Liegenschaften zu. Erschwerend kommen selbstverständlich die teils andere Rechtslage in Italien hinzu sowie sprachliche Barrieren – die Unterlagen liegen großteils in italienischer Sprache vor“, erläutert Vorstand Hans-Peter Hörtnagl. „Ich darf mich an dieser Stelle für den Einsatz der Mitglieder der Task Force bedanken. Es hat sich auch gezeigt, dass die geforderte lückenlose Aufarbeitung der Akten der einzig richtige Weg war.“

Hypo legt Vollbank-Lizenz in Italien zurück

Wie schon angekündigt wird die Hypo Tirol Bank die Vollbank-Lizenz in Italien zurücklegen und die Bank als EU-Filiale weiterführen. „Mit einer EU-Filiale können alle Geschäftsbereiche abgedeckt werden, die wir aufgrund unserer neuen strategischen Ausrichtung in Südtirol und Trentino tätigen möchten. Vorrangiges Ziel ist es, neben einem eingeschränkten Neugeschäft unser bestehendes Risiko im Italiengeschäft weiter zu verringern bzw. die notleidenden Kredite so weit als möglich einbringlich zu machen“, schließt Jochum.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte:
Hypo Tirol Bank AG
Herbert Waltl
Abteilungsleiter Werbung & Kommunikation
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