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Sandoz fordert dauerhafte Preisbandregelung Generika

14.10.2021

Der Generika-Hersteller Sandoz, eine Tochter des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, sieht sich in Österreich zunehmend unter Preisdruck. Falls die mit 31. März auslaufende Preisband-Regelung für Generika nicht verlängert wird, könnte das Preisniveau weiter sinken und eine kostendeckende Produktion am Tiroler Standort Kundl nicht mehr möglich sein, warnt das Unternehmen. Ähnlich wären die Folgen, wenn Ärzte künftig nur noch Wirkstoffe und nicht Medikamente verschreiben würden.

"Wenn das Preisband abgeschafft ist, kann uns die Sozialversicherung auf den niedrigsten Preis zwingen, da gibt es auch keinen Ausweg für uns als Hersteller", sagte Andreas Eberhorn, Chef von Sandoz Österreich, am Donnerstag in einer Pressekonferenz. "Die Preise werden weiter erodieren, es wird für einzelne Anbieter nicht mehr auskömmlich sein, das Angebot wird kleiner." Damit werde die Versorgungssicherheit in Frage gestellt, warnt Eberhorn. "Natürlich hat das mittelfristig auch Auswirkungen auf Wünsche nach lokaler Produktion." Deshalb fordert Sandoz die Einführung einer Indexanpassung für Arzneimittel und eine dauerhafte Preisbandregelung.

Arzneimittel seien nicht der treibende Faktor bei den Gesundheitskosten, sagte Eberhorn. Medikamente würden in Österreich konstant bei 13 Prozent der Gesundheitskosten, das sei deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 16 Prozent. "Die Zitrone ist ausgepresst, hier ist nichts mehr zu holen." Schon 40 Prozent aller Medikamente würden bereits unter der Zuzahlungsgrenze verkauft, "das heißt, jeder von uns zahlt diese Medikamente selbst, sie erscheinen also nicht bei den Gesundheitskosten. Durchschnittlich kostet eine generische Tablette 13 Cent. Sie bekommen ein hochwirksamen, hochqualitatives Medikament aus Österreich, das weniger kostet als ein einzelner Kaugummi."

Die Gesundheitsausgaben in Österreich sind im vergangenen Jahr um ein Drittel auf zuletzt 44 Mrd. Euro gestiegen. Mit einem Generika-Anteil von 53 Prozent bei den Arzneimitteln liegt Österreich laut Sandoz nur im hinteren europäischen Mittelfeld. In Deutschland liege der Anteil bei 78 Prozent.

"Wir beschäftigen heute knapp 5.000 Mitarbeiter in Österreich, davon fast viereinhalb tausend am Standort Kundl/Schaftenau", sagte der Österreich-Länderchef von Novartis, Michael Kocher. Seit 2006 habe man dort mehr als 2 Mrd. Euro investiert und es gebe "ein klares Commitment zum Standort Tirol", so Kocher. Aber unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werde man mittel- bis langfristig keine pharmazeutischen Lieferkette in Österreich haben.

Nur ein Drittel der pharmazeutischen Rohstoffe würden derzeit in Europa hergestellt. "Das heißt, wir sind heute schon zu einem großen Teil von Produzenten in China und Indien abhängig", sagte Kocher. Im vergangenen Jahr habe man beschlossen, knapp 200 Mio. Euro in Kundl/Schaftenau in die Penicillin-Produktion zu investieren, und die Regierung habe sich verpflichtet, weitere 50 Mio. Euro zuzuschießen. Dadurch werde man künftig in der Lage sein, im Bereich Penicillin wettbewerbsfähig zu produzieren.

Man habe schon damit begonnen eine Pilotanlage aufzubauen, sagte Kocher. "Wir haben schon Gebäude abgerissen, Gebäude neu aufgebaut. Die Arbeiten sind voll im Gange und wir sind absolut im Zeitplan." Bei den Förderungen durch die österreichische Regierung sei die Hälfte der 50 Millionen abgedeckt, bei der anderen Hälfte werde derzeit noch diskutiert, wie das im Sinne des europäischen Wettbewerbsrechts umgesetzt werden können. "Ich würde sagen, dass wir da im Zeitplan ein wenig hinterherhinken."

Auch beim Fachkräftemangel wünscht sich Sandoz Abhilfe durch die Regierung. "Wir haben in Kundl/Schaftenau mehr als 250 offene Stellen, die wir gerne besetzen würden, die wir aber im Moment nicht besetzen können", sagte Kocher. "Da erwarten die von der Politik Unterstützung, dass die Zuwanderung besser funktioniert." Für Nicht-EU-Bürger, sogar wenn sie schon Mitarbeiter der Sandoz-Gruppe sind, dauere es teilweise vier bis fünf Monate, bis sie in Österreich arbeiten dürften.

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