Hypo Tirol Blog
  
Neueste Einträge

„In der Krise trennt sich die Spreu vom Weizen“

16.06.2020

Georg Frischmann, Leiter des Bereichs Private Banking der Hypo Tirol Bank, im Interview über die Geldanlage in der Krise, ETFs und wie Investoren jetzt Risiken reduzieren können.

trend: Herr Frischmann, Sie haben vor vier Jahren das Private Banking der Hypo Tirol Bank übernommen. Was waren Ihre wichtigsten Maßnahmen, um im umkämpften Private Banking Markt zu bestehen?
Georg Frischmann: Durch meine jahrelange Erfahrung als Fondsmanager kannte ich die Trends in der Industrie, und für mich war von Anfang an klar, dass sich der Markt zwar langsam, aber stetig in Richtung kosteneffizienter Lösungen bewegen wird. Die Vermögensverwaltungslinien wurden neu strukturiert und um ein von mir konzipiertes ETF-Vermögensverwaltungskonzept erweitert. Neben ETFs arbeiten wir auch bei vielen Kunden auf Einzeltitelbasis. Dadurch weisen wir eine deutlich niedrigere TER (Total Expense Ratio; Gesamtkostenquote) als zahlreiche Mitbewerber aus. Das lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken. Vor allem in der jetzigen Phase, da Banken seit 2018 verpflichtet sind, die Gesamtkostenbelastung ihren Kunden offen zu legen.

Wie haben sich die Strategien der Hypo Tirol Bank in der jetzigen Krise entwickelt und welche Maßnahmen wurden zur Absicherung eingesetzt?
„If you panic, panic first or not at all“, lautet ein Börsensprichwort. Und so haben wir bereits Ende Februar proaktiv unsere Aktienquoten in den Vermögensverwaltungen gesenkt. Einen Einbruch in diesem Ausmaß hatten wir dennoch nicht erwartet. In solchen Phasen gilt es, Ruhe zu bewahren. So wurde nach den drastischen Einbrüchen die Aktienquote auch wieder erhöht. Vor allem unsere sektorale Positionierung hat sich ausgezahlt. Wir setzen schon seit längerem auf Technologie und Pharmawerte – auch eine aktive Beimischung von chinesischen Aktien hat sich bezahlt gemacht. Unsere „Aktienstrategie global“ konnte den Weltaktienmarkt heuer um 8 % übertreffen. Das hat dazu geführt, dass unsere Kundinnen und Kunden per Ende April dieses Jahres nur ein ganz leichtes Minus hatten, das sich nicht dramatisch auf die üppigen Gewinne der Vorjahre auswirkte.

Und wie haben sich die ETF-Vermögensverwaltungen in den letzten Jahren im Vergleich zum Markt und den Mitbewerbern entwickelt?
Die letzten Jahre waren sehr erfolgreich. Wir konnten zahlreiche nationale Preise mit den Strategien gewinnen, und aktuell wurden wir auch international mehrfach ausgezeichnet. Seit 2020 sind wir als einzige Tiroler Bank im vom Handelsblatt veröffentlichten Elite Report empfohlen. 350 Banken im gesamten deutschsprachigen Raum wurden getestet, wovon es nur 13 % in die Empfehlungsliste schafften. Beim Elite Report wird neben der Performance auch die Beratungsqualität des Private Banking bemessen.
Rein auf die Performance bezogen wurden wir von „First Five“ ausgezeichnet. First Five vergleicht Vermögensverwaltungen im gesamten deutschsprachigen Raum, erstellt für verschiedene Risikokategorien und Veranlagungshorizonte eine Rangliste und nur die fünf besten Vermögensverwalter werden ausgezeichnet. Unsere Vermögensverwaltung wurde per 31. März 2020 in den Kategorien konservativ, ausgewogen und dynamisch unter den besten fünf Vermögensverwaltern gelistet. Wir haben hier nicht nur die lokale Konkurrenz hinter uns gelassen, sondern international sehr beeindruckende Performancezahlen geschrieben.

Wie sieht Ihr Ausblick für die nächsten Jahre aus?
Angesichts des Ausmaßes einbrechender Unternehmensgewinne in der Corona Krise, haben die Aktienmärkte im März dieses Jahres sehr stark korrigiert. Nachdem von den Regierungen sehr schnell Konjunkturprogramme angekündigt wurden und die Notenbanken neue Kaufprogramme aufgelegt hatten, kam es zu einer deutlichen Gegenbewegung nach oben. Die Furcht eines Systemzusammenbruchs war erstmal gebannt, und die Marktteilnehmer konzentrierten sich wieder mehr auf die Zukunft. Der Aktienmarkt ist ein sehr effizientes Vehikel. Es ist klar, dass in diesem Jahr viele Unternehmenspleiten auf uns zukommen und die Arbeitslosigkeit stark steigen wird.
Aber: Der Markt denkt immer in die Zukunft. Nach der Rezession wird der Aufschwung umso stärker. Diese Erfahrung und die Tatsache, dass die Zinsen nun sogar in den USA auf 0 % gefallen sind, machen Aktien für langfristige Investments sehr interessant. Natürlich ist eine nochmalige Korrektur nicht auszuschließen. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist heute deutlich geringer als vor einigen Wochen. Investorinnen und Investoren raten wir: Steigen Sie sukzessive und in Tranchen in den Markt ein – das hilft Ihnen, das kurzfristige Marktrisiko zu reduzieren.