Hypo Asset Management

Märkte im Fokus

15.10.2021

Oktober 2021

Weltwirtschaft

Die globale Konjunktur ist nach wie vor gut in Fahrt, hat aber ihr Tempo verlangsamt. Das Ifo-Geschäftsklima für die deutsche Wirtschaft ist im September von 99,6 auf 98,8 gefallen. In erster Linie war eine weniger positive Lagebeurteilung dafür verantwortlich. Die Geschäftserwartungen sind hingegen nur leicht gesunken. Verschlechtert hat sich die Stimmung insbesondere in der Industrie, die die deutsche Wirtschaft wegen des anhaltenden Materialmangels trotz starker Nachfrage auch im vierten Quartal bremsen wird. Im Euro-Raum stieg die Inflation im September noch stärker als erwartet. Die Verbraucherpreise kletterten binnen Jahresfrist um 3,4 Prozent. Das ist der höchste Wert seit September 2008. In den USA stiegen die Orders langlebiger Wirtschaftsgüter im August um 1,8 % an. Dies unterstreicht die weiterhin starke Nachfrage nach Produkten. In China kommt es aufgrund der Klimaziele zu Stromknappheit, was sich belastend auf die Konjunktur auswirkt. Zudem liegt die Insolvenzgefahr von Evergrande, dem drittgrößten Immobilienentwickler Chinas, wie ein Damoklesschwert über dem Reich der Mitte. Als geopolitisches Risiko ist außerdem der zunehmende Konfrontationskurs Chinas gegenüber Taiwan bzw. dessen Verbündeten USA zu nennen.

 

Aktienmärkte

Wir sind im 4. Quartal angekommen. Traditionell ein gutes Quartal für die Aktienmärkte. In diesem Jahr ist der Markt mit unschönen Schwankungen in den Oktober gestartet. Die Marktteilnehmer zeigen sich nun weniger risikofreudig als noch vor einigen Wochen. Viele schwelende Probleme sind nun fassbarer geworden: anhaltende Inflation, Tapering bzw. Zinsanhebung in den USA, jährlich wiederkehrende Diskussion über die Schuldenobergrenze im US Senat, aufkeimende Zwistigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China gerade im Kontext um Taiwan und nicht zuletzt die anstehende Insolvenz des Immobilienentwicklers „Evergrande“ in China. Es gibt viele Problemherde, die die gute Laune verderben.

Im Hintergrund hält sich aber das große Bild, das die Unruhe etwas relativiert:
Die Wachstumsdynamik hat sich verlangsamt. Dieses Bild zeigt sich sowohl in den USA als auch Europa. Das beste Indiz sind die Konjunktur-Frühindikatoren, die leicht konsolidieren. Eine Trendwende für den Aktienmarkt lässt sich daraus aber noch nicht ableiten. Aktuell sieht es so aus, als habe sich der Expansionspfad abgeflacht – wir sind sozusagen in die Normalisierungsphase nach der kräftigen Erholung eingetreten. Besonders stark wird dieser Effekt in China sichtbar. Hier ist man nach Monaten der Ruhe wieder mit anziehenden Problemen rund um die Corona-Pandemie konfrontiert. Die angestiegene Inflationsrate in Europa bzw. den USA resultiert v.a. aus aufgestautem Konsum und sollten weiterhin nur vorübergehend auftreten. Es gibt noch keine Anzeichen für eine anziehende Lohn-Preis-Spirale, welche in Folge den Aktienmarkt negativ treffen würde.
Wir rechnen mit ruppigen Monaten, gehen aber bis zum Jahresende von einem leichten Zuwachs am Aktienmarkt aus.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

Aktien USA (in USD) ► Leicht Steigend

Aktien Europa (in EUR) ► Leicht Steigend

Aktien Japan (in JPY) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Pazifik ex Japan (in USD) ► Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - Aktien USA (S&P 500 TR Index); Aktien Europa (STOXX Europe 600 NR Index); Aktien Japan (Nikkei 225 Index); Aktien Pacific ex Japan (MSCI TR Net AC Asia Pacific Ex Japan USD Index);

 

Geld- und Kapitalmarkt

Die Euro-Geldmarktkurve verharrt weiterhin bei den gewohnt tiefen Niveaus. Euribor und Ester- Werte weiterhin im Minus Bereich bei unter -0,50, also weiterhin unter dem Einlagensatz der EZB. Vor allem nach der EZB Sitzung, die abermals das Festhalten an der ultra-expansiven Geldpolitik betont hat. Inflationszahlen jedoch weiterhin relativ  hoch bei 3% und Kernteuerungsrate bei 1,8%. Es wird jedoch erwartet, dass sich die hohen Inflationszahlen nicht halten können und das Langfristziel von 2% in Zukunft wieder deultich unterschritten wird. Dies macht Änderung der Geldmarktsätze in naher Zukunft sehr unwahrscheinlich.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

3-Monats EURIBOR ► Seitwärtsbewegung

10 Jahres Zins EUR* ► Leicht Steigend

* enstpricht dem jeweiligen 10-Jahres Swapsatz

 

Rohstoffe

Gold: Auch im vergangenen Monat mussten Investoren im Edelmetall erneut Verluste hinnehmen. Aktuell liegt der Preis für eine Feinunze Gold bei ca. 1.750 USD. Zu Beginn des Jahres mussten Anleger noch ca. 1.900 USD für die gleiche Menge berappen. Dies entspricht einem Minus von fast 8 % seit Jahresbeginn. Haupttreiber dieser Entwicklung ist vor allem die Erwartung der Marktteilnehmer, dass die US-Notenbank bereits in naher Zukunft ihr Anleihenkaufprogramm signifikant reduzieren könnte. Damit würden die US-Zinsen wieder ansteigen und das Halten des Edelmetalls in Relation teurer (da Gold keine Zinsen abwirft). Die ebenfalls höher prognostizierte Inflation konnte dem Goldpreis bisher kaum helfen. Es scheint vielmehr so, dass Investoren in erster Linie Aktien kaufen würden, um sich gegen eine steigende Inflation abzusichern. Kurzfristig sollten steigende Zinsen den Goldpreis nicht signifikant über das aktuelle Niveau ausbrechen lassen. Mittelfristig könnte eine erneut sinkende Inflation jedoch wieder zu einer gewissen Erholung des Goldkurses beisteuern.

Rohöl: Seit Jahresbeginn können sich Rohstoffanleger, welche in Rohöl exponiert sind, über historische Zugewinne freuen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg in diesem Zeitraum um mehr als 55 %. Dies liegt vor allem in zwei Faktoren begründet: 1) Die Wirtschaft in den westlichen Industriestaaten konnte sich in diesem Jahr sehr gut von den wirtschaftlichen Schäden der Covid-Pandemie erholen und 2) die von der OPEC+ beschlossenen Förderkürzungen wurden noch nicht signifikant zurückgefahren. Des Weiteren haben Staaten wie Angola und Nigeria sogar Probleme damit die bisherigen Förderquoten überhaupt zu erfüllen. Aufgrund lang ausgebliebener Investitionen sind viele Bohranlagen dort marode und können nicht den nötigen Output liefern. Die OPEC+ entschied bei ihrem letzten Treffen die Förderquoten ab November um weitere 400.000 Barrel pro Monat anzuheben. Dies liegt jedoch unter den Erwartungen und wird den aufgeheizten Markt wohl kaum beruhigen. Wir sehen einen kurzfristigen Aufwärtstrend auf diesem hohen Niveau als das wahrscheinliste Szenario bis Jahresende. Mittelfristig sollte das Angebot wieder ausgeweitet werden und der Kurs damit wieder unter 70 USD tendieren.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

Gold (USD je Unze) ► Seitwärtsbewegung

Rohöl (Brent in USD) ► Leicht Steigend

Quelle: Bloomberg - Gold (Spotpreis USD/Feinunze); Rohöl Brent (Forwardpreis USD/Barrel);

 

Devisen

US-Dollar: Sowohl in der Eurozone als auch in den USA sieht man sich derzeit mit der Frage konfrontiert, ob es sich bei der höher als erwarteten Inflation um ein längerfristiges Phänomen handelt. Im Fall eines nicht nur temporären Inflationsanstieg, könnten die  jeweiligen Zentralbanken eine restriktivere Geldpolitik einschlagen. Da beide Volkswirtschaften sich in einer ähnlichen Situation befinden, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass in der nächsten Zeit eine der beiden Währungen gegenüber der anderen deutlich die Oberhand gewinnt. Es wird im beginnenden vierten Quartal ein fortgesetzter Seitwärtstrend um die Marke von 1,17 US-Dollar pro Euro erwartet.

Schweizer Franken: Durch die derzeitigen Probleme am chinesischen Immobilienmarkt, könnte der Schweizer Franken von seiner Eigenschaft als sicherer Hafen profitieren. Was die Aussichten des Franken jedoch leicht trübt, ist die im Vergleich zum restlichen Europa relativ niedrige Corona-Impfquote. Restriktivere Corona-Maßnahmen, mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen sind nicht gänzlich auszuschließen. Da davon ausgegangen wird, dass diese Faktoren bereits eingepreist sind, ist eine starke Änderung des Euro-Franken Kurses unwahrscheinlich. Realistisch ist ein volatiler Seitwärtstrend um einen Mittelkurs von 1,07 Schweizer Franken pro Euro.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

EUR / USD ► Seitwärtsbewegung

EUR / CHF ► Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - EUR/USD (EUR gegen USD); EUR/CHF (EUR gegen CHF);

 

 

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