Hypo Tirol Blog
  
Hypo Asset Management

Märkte im Fokus

09.06.2020

 

 

Weltwirtschaft

Die US-Einzelhandelsumsätze gingen im April mit 16,4% zum Vormonat deutlich stärker zurück als erwartet, die Industrieproduktion brach um 11,2% ein. Jedoch stieg im April das verfügbare persönliche US-Einkommen um 12,9% aufgrund der umfangreichen Finanzhilfen und der ausgeweiteten Arbeitslosenunterstützung. Positiv überraschte zuletzt die Arbeitslosenrate für Mai: Anstatt der erwarteten 19,1% fiel der Wert mit 13,3% relativ gut aus. Im US-verarbeiteten Gewerbe wurden nämlich wieder 225.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Ähnlich stellt sich die Lage in Europa dar. Erwartungsgemäß ist die deutsche Industrieproduktion im April im Vergleich zum bereits sehr schwachen März massiv um 17,9% gefallen. Zu einem beträchtlichen Teil ist dies auf den weitgehenden Produktionsstopp in der Automobilindustrie zurückzuführen. Im April kamen in der EU rund 271.000 Neuwagen auf die Straßen, 76 % weniger als vor einem Jahr. Nach den schrittweisen Lockerungsmaßnahmen hat sich das Ifo-Geschäftsklima für Deutschland hingegen im Mai deutlich erholt (79,5 nach 74,2). Die Inflationsrate ist im Mai auf lediglich 0,1 % gefallen. Maßgeblich hierfür war der fortgesetzte Rückgang der Energiepreise. Die dargestellten positiven Entwicklungen und die umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken sollten jedenfalls zu einer Stabilisierung der Konjunktur beitragen.

 

Aktienmärkte mit anhaltender Erholungsbewegung aber unruhigem Ausblick

Globale Aktien konnten sich seit dem Tief im heurigen Frühjahr wieder Richtung der schwarze Null erholen. Auch wenn die Auswirkungen der Corona Pandemie bzw. des Lockdowns noch nicht endgültig abschätzbar sind, stufen viele Marktteilnehmer und wir die Lage zunehmend unkritischer ein. Das verleiht den Aktien Rückenwind. Gleichzeitig fluten die Notenbanken den Markt, was für nachhaltig niedrige Zinsen sorgt. Anleihen verlieren damit zunehmend Reiz und Aktien profitieren prinzipiell. Wirft man einen Blick auf die Aktienbewertungen, dann zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis ein erhöhtes Niveau im historischen Vergleich. D.h. gemessen am Unternehmensgewinn sind Aktien derzeit nicht günstig, sondern überdurchschnittlich teuer. Das resultiert daraus, dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen für das nächste Bilanzjahr vorsichtig festgelegt wurden. Erst ab 2021 ist wieder mit einer Erholung und Gewinnzuwächsen zu rechnen. Die Experten setzen aktuell vermehrt auf US-Aktien im Vergleich zu europäischen Werten. Die europäische Wirtschaft ist weit globaler ausgerichtet, was im aktuellen Umfeld bedeutet, dass sich die internationalen Lieferketten problematischer darstellen als für amerikanische Unternehmen der Fall ist. Wir rechnen mittelfristig mit einem ruppigen Aktienmarkt. Es gibt neben Corona noch andere geoplitische Problemherde wie den Brexit oder die US-Wahl, die für Marktschwankungen sorgen werden.

Prognosen Ende Q2 2020

Aktien USA (in USD) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Europa (in EUR) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Japan (in JPY) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Pazifik ex Japan (in USD) ► Seitwärtsbewegung

Quelle Bloomberg: Aktien USA (S&P 500 TR Index); Aktien Europa (STOXX Europe 600 NR Index); Aktien Japan (Nikkei 225 Index); Aktien Pacifik ex Japan (MSCI TR Net AC Asia Pacific Ex Japan USD Index);  Legende: 1 - Seitwärtsbewegung;  2 - leichter bzw. 3 - starker Anstieg;  4- leichter bzw. 5 - starker Rückgang    

 

EZB weitet ihre Anleihekäufe massiv aus, der Schuldenstand wird massiv ansteigen

Die Kapitalmarktrenditen für Anleihen hoher Bonität tendierten in jüngster Zeit nach oben, dh. sie stiegen im negativen Bereich an. Dies ist mit der deutlich steigenden Zuversicht am Markt zu erklären. Denn trotz historisch starkem Konjunktureinbruch zogen die Konjunktur-Frühindikatoren zuletzt wieder an, was Hoffnungen auf eine wieder positive Entwicklung nährte. Die Frage ist, ob die positive Stimmung an den Kapitalmärkten nicht zu optimistisch war und mögliche Risiken am Markt ausklammerte. Diese Risiken sind der teils schleppende Neustart in vielen Branchen, die fehlenden Fortschritte bei den „Brexit“-Verhandlungen oder die Konfrontation USA-China aufgrund der politischen Lage in Hongkong. Zudem wird der globale Schuldenstand wegen der massiven staatlichen Hilfspakete deutlich steigen. Am 6.6. verkündete EZB-Präsidentin Lagarde eine deutliche Ausweitung des Anleihekaufprogrammes aufgrund von COVID-19 von 750 Mrd. EUR auf 1.350 Mrd. EUR. Auch der Zeitraum wurde bis ins Jahr 2021 hinein ausgedehnt. Bei Staats- und Unternehmensanleihen werden dadurch die Renditen gedrückt. Bei Unternehmensanleihen ist mit niedrigen Renditeaufschlägen zu rechnen. Zudem steht bei einigen Investoren die Suche nach Rendite im Vordergrund. Anleihesegmente mit höherem Risiko, wie High-Yield oder Schwellenländeranleihen, konnten sich gut entwickeln. Eine Stütze für die Kapitalmärkte war die minimale Inflation im Mai, im Jahresvergleich war im Euroraum nur ein Plus von 0,1% zu verzeichnen.

Prognosen Ende Q2 2020

3-Monats EURIBOR ► Seitwärtsbewegung

10 Jahres Zins EUR ► Seitwärtsbewegung

3-Monats LIBOR USD ► Seitwärtsbewegung

10 Jahres Zins USD ► Seitwärtsbewegung

3-Monats LIBOR CHF ► Seitwärtsbewegung

10 Jahres Zins CHF ► Seitwärtsbewegung

Anmerkung: mit 10-Jahres Zins ist der Swapsatz gemeint; Legende: 1 - Seitwärtsbewegung;  2 - leichter bzw. 3 - starker Anstieg;  4- leichter bzw. 5 - starker Rückgang   

 

Gold

Aktuell liegt der Preis für eine Feinunze Gold bei knapp unter 1730 USD. Der bisherige Jahreshöchststand von 1748 USD (Intraday sogar 1764 USD) liegt damit erneut in greifbarer Nähe. Getrieben wird der Goldpreis dabei vor allem von 2 Faktoren: Der Unsicherheit rund um die Corona-Krise (Stichwort 2. Welle) sowie das erneute Aufflammen des US-China Handelskonflikts. Des Weiteren profitiert Gold von den mittlerweile niedrigem US-Zinsumfeld sowie den erneut eingetrübten Wirtschaftsaussichten der FED. Sollte sich die Angst vor der zweiten Welle der Corona-Pandemie weiter verstärken, könnte sich der Jahreshöchststand für eine Feinunze Gold in absehbarer Zeit nach oben verschieben und die psychologische Grenze von 1800 USD fallen. Wir gehen aktuell jedoch davon aus, dass eine Seitwärtsbewegung innerhalb des Bereichs von 1700 bis 1750 USD das realistischste Szenario darstellt. Interessant wird die Lage, aus unserer Sicht, jedoch vor allem rund um den Beginn des vierten Quartals. Die anstehenden US-Wahlen lassen eine weitere Eskalation, rund um den Zollstreit zwischen den USA und China, vermuten und fallen auch zeitlich mit einem möglichen Hard-Brexit Großbritanniens zusammen, sofern dieser nicht erneut in die Zukunft verschoben wird.

Rohöl

Zurzeit notiert ein Barrel Rohöl der Sorte Brent bei ca. 38 USD. Das kommt einer zwischenzeitlich bemerkenswerten Erholung gleich. Immerhin lag der Tiefststand noch vor etwas mehr als einem Monat bei lediglich 27 USD. Zu Beginn des Monats Juni wurde der begehrte Rohstoff auch für teilweise etwas über 42 USD gehandelt (dies entspricht einem kurzfristigen Anstieg von über 50 %). Grund für die schnelle Erholung waren vor allem eine Einigung zur Verringerung der Produktion von Seiten der OPEC-Staaten (um knapp zehn Millionen Barrel pro Tag) sowie eine kurzzeitige Entspannung bei den Öl-Reserven. Auch der wieder aufflammende Optimismus im Zuge der Corona-Pandemie trug einiges zur Erholung an den Börsen bei. Von den Vorkrisenständen um die 60 USD sind die Preise aber auch aktuell noch ein großes Stück entfernt. Unser Basisszenario (weitere Entspannung der Corona-Krise) geht von einem steigenden Öl-Preis bis Jahresende aus. Sollte sich die Lage rund um die immer volleren Öl-Lagerstätten sowie die Angst vor einer zweiten Welle jedoch weiter zuspitzen, scheint auch ein erneuter Abfall auf unter 35 USD/Barrel als realistisches Szenario.

Prognosen Ende Q2 2020

Rohöl (Brent in USD) ► leichter Anstieg

Gold (USD je Unze) ► Seitwärtsbewegung

Quelle Bloomberg: EUR/USD (EUR gegen USD); EUR/CHF (EUR gegen CHF); Gold (Spotpreis USD/Feinunze); Rohöl Brent (Forwardpreis USD/Barrel); Legende: 1 - Seitwärtsbewegung;  2 - leichter bzw. 3 - starker Anstieg;  4- leichter bzw. 5 - starker Rückgang   

 

Devisen

US-Dollar: Die Hoffnung auf eine rasche wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise und eine mögliche Einigung auf europäischer Ebene beim Thema Wiederaufbaufonds haben den EUR in den letzten Wochen beflügelt. Erstmals seit März diese Jahres notierte die Einheitswährung wieder über 1,14 USD. Die pessimistischen Konjunkturprognosen der Federal Reserve und die Angst vor einer zweiten Corona-Welle in den USA und China, haben den Höhenflug vorerst gestoppt. Die Handelsrange hat sich somit nach oben verschoben und es ist mit einer volatilen Seitwärtsbewegung zwischen 1,10 USD und 1,14 USD je EUR auszugehen.
Schweizer Franken: Im zuletzt optimistischen Umfeld und mit Hilfe der Schweizer Nationalbank konnte der EUR eine bemerkenswerte Erholung verzeichnen. Mit Kursen über 1,09 CHF pro EUR erreichte die Einheitswährung ein Niveau, das wir seit Dez. letzten Jahres nicht mehr gesehen haben. Generell und vor allem zum Schweizer Franken bleibt der EUR jedoch sehr anfällig für Rückschläge. Von jeder aufkeimenden Unsicherheit profitiert weiterhin der Franken. So hat der Euro in den letzten Handelstagen bereits die Hälfte der Kursgewinne auch wieder verloren. Aktuell sollte die Unterstützungslinie bei 1,06 CHF  halten, am oberen Ende dürfte die Marke von 1,09 CHF nun wohl eine nicht so schnell zu überwindende Hürde darstellen.

Prognosen Ende Q2 2020

EUR / USD ► Seitwärtsbewegung

EUR / CHF ► Seitwärtsbewegung

Legende: 1 - Seitwärtsbewegung;  2 - leichter bzw. 3 - starker Anstieg;  4- leichter bzw. 5 - starker Rückgang