Hypo Asset Management

Märkte im Fokus

11.11.2022

November 2022

Weltwirtschaft

Die Gaslieferprobleme und geopolitische Krisen lasten weiter auf der Stimmung und dämpfen den Konjunkturausblick. Kürzlich hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine globale Wachstumsvorhersage für 2023 auf lediglich 2,7 % gesenkt. Für den Euroraum wird allgemein trotz einer guten Konjunkturlage im 3. Quartal für das Winterhalbjahr mit einer Rezession gerechnet. Als positive Stütze inmitten vieler Unsicherheitsfaktoren sticht gleichzeitig der Arbeitsmarkt in Europa heraus. So fiel die Arbeitslosenquote in Großbritannien im August auf 3,5 %. In den USA ist das Konjunkturbild durchwachsener. Einerseits stieg die US-Beschäftigung im Oktober um 261.000 Stellen und damit stärker als erwartet. Andererseits kletterte die Arbeitslosenquote um 0,2 % auf zuletzt 3,7%. Die Lage am US-Immobilienmarkt trübt sich weiter sein. Der Wohnungsindex sank im Oktober deutlich und die hohen Hypothekenzinsen und Materialkosten lasten auf der Stimmung der Immobilieninteressenten. Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal sowohl im Vorjahres- als auch im Vorquartalsvergleich mit 3,9 % nur mäßig gewachsen. Positiv ist die Normalisierung nach dem Ende verschiedener Lockdown-Maßnahmen hervorzuheben, jedoch stellt der Immobilienabschwung einen deutlichen Gegenwind dar.

In Bezug auf die Geldentwertung kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Die Inflationsrate im Euroraum (Konsumentenpreisindex) hat im Oktober einen Anstieg auf 10,7 % verzeichnet. Dabei steigen die Preise inzwischen auch in der Breite immer stärker. Die Kernrate der Inflation (also ohne die volatilen Preise von Energie, Nahrungs- und Genussmittel) legte erneut um 0,2 % auf 5,0 % zu. Auch in den USA zeigt sich die Inflation hartnäckig. Die jährliche Veränderungsrate des Verbraucherpreisindex hatte zwar im Juni bei 9,1 % ihr Hoch erreicht und ist bis September leicht auf 8,2 % gefallen. Bei der Kernrate zeigt sich jedoch wie in Europa noch keine Entspannung. Sie erreichte mit 6,6 % zuletzt sogar ein neues Jahreshoch.

 

 

 

Aktienmärkte

Angesichts des vorherrschenden Inflationsbildes scheint der Höhepunkt der geldpolitischen Straffungsbewegung sowohl in den USA als auch Europa noch nicht erreicht. Der Aktienmarkt wird immer noch massiv von Zinserwartungen beeinflusst. Weit geringer hat sich die bereits zum Großteil abgelaufene Berichtssaison niedergeschlagen. Überwiegend konnte in den USA als auch Europa die Umsatz- und Gewinnzahlen positiv überraschen. Ein positiver Börsentrend ergab sich jedoch nur in den Sektoren Gesundheit und Energie. Besonders abgestraft wurden erneut Technologie-Werte insbesondere aus dem Medien-Segment, wo der Gewinn über Werbeschaltungen erwirtschaftet wird. Vertreter wie Meta, Alphabet, Yahoo oder auch der fernöstliche Konzern Tencent konnten jüngst nicht mit einem positiven Ausblick punkten. Nun fragt man sich wie weit der Aktienmarkt noch abrutschen kann, bis eine Kehrtwende eintritt. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis kann man über alle Branchen oder Märkte im historischen Kontext nicht mehr von Überbewertung sprechen. Im Gegenteil - hinsichtlich Bewertung ist aktuell ein günstiger Einstiegszeitpunkt für Aktieninvestments gegeben.  Allerdings müssen sich dafür noch zwei Bedingungen erfüllen: Die Gewinnentwicklung darf nicht über das bereits eingepreiste Rezessionsszenario hinaus abrutschen und die Inflation sollte allmählich wieder zu fallen beginnen, was die Notenbanken entspannen und das Anlegersentimente verbessern würde.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

Aktien USA (in USD) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Europa (in EUR) ►Seitwärtsbewegung

Aktien Japan (in JPY) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Pazifik ex Japan (in USD) ►Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - Aktien USA (S&P 500 TR Index); Aktien Europa (STOXX Europe 600 NR Index); Aktien Japan (Nikkei 225 Index); Aktien Pacific ex Japan (MSCI TR Net AC Asia Pacific Ex Japan USD Index);

 

Geld- und Kapitalmarkt

Bei der letzten EZB Sitzung wurde beschlossen das TLTRO III Regelwerk anzupassen, sodass sich die Banken mit ihrer aufgenommenen Überschussliquidität ab 23. November 2022 deutlich schlechter gestellt sehen und der Zinsgewinn aus den TLTRO Tranchen ab diesem Datum nahezu verschwindet. Somit darf mit einer höheren und schnelleren Rückzahlungsbereitschaft der Banken und ihrer Liquidität gerechnet werden.

Als weiterer Effekt könnten Sicherheiten (Collateral), die bei der EZB derzeit noch hinterlegt sind, wieder frei werden und in den freien Markt zurückfließen. Dies bleibt allerdings abzuwarten, vor allem wie sich die generelle Marktlage bis dahin weiterentwickelt. Die immer noch sehr hohen Ölpreise und die Auseinandersetzung zwischen Russland und Ukraine beeinflussen das Marktgeschehen natürlich immer noch maßgeblich.

Aufgrund der weiterhin bestehenden Hochinflationsphasen und den zuvor genannten Gründen sehen sich sowohl die FED als auch die EZB dazu veranlasst ihren geldpolitischen Kurs weiterzuführen, also Leitzinsen weiter nach oben zu schrauben. Zinsanhebungsphasen enden also voraussichtlich später und auf höherem Niveau. Somit ist wohl keine Zinssenkung vor Ende 2023 zu erwarten.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

3-Monats EURIBOR ► Seitwärtsbewegung

10 Jahres Zins EUR* ► Seitwärtsbewegung

* enstpricht dem jeweiligen 10-Jahres Swapsatz

 

Rohstoffe

Gold:  Zu Jahresbeginn kostete eine Feinunze Gold um die 1.830 USD. Nach Ausbruch des Ukrainekonflikts kletterte der Kurs kurzfristig auf über 2.050 USD (nahe dem Allzeithoch von 2.075 USD im Jahr 2020). Aktuell befindet sich der Goldkurs bei ca. 1.670 USD. Investoren mussten daher seit Jahresbeginn einen Verlust von beinahe 9 % verkraften. Hauptgrund dafür sind die immer weiter steigenden Zinsen (vor allem in den USA). Da Gold keine laufende Rendite erwirtschaften kann, wechselten viele Anleger entweder in Anleihen (kurzfristige US-Staatsanleihen zahlen bspw. aktuell mehr als 4 %) oder gleich in Cash bzw. Cash-Ersatzprodukte. Kurzfristig sehen wir den Goldkurs auch weiterhin auf niedrigem Niveau stagnieren. Sobald die weltweiten Notenbanken ihre Geldpolitik wieder etwas expansiver gestalten, sollte auch der Goldkurs davon wieder profitieren können. Vor allem in den USA könnte dies bereits nächstes Jahr der Fall sein.

Rohöl:  Lag der Preis für ein Barrel Rohöl zu Jahresbeginn noch bei ca. 78 USD, so muss ein Investor für die gleiche Menge nun aktuell ca. 97 USD zahlen. Dies entspricht einem Zuwachs von ca. 24 %. Damit ist der Preis jedoch schon um einiges niedriger als im Jahreshoch (ca. 128 USD). Hauptgrund dafür sind die zunehmenden Konjunktursorgen und die damit einbrechende Nachfrage. Um diesen Zustand gegenzusteuern, einigte sich die OPEC+ (welcher auch Russland angehört) bei ihrem letzten Treffen auf eine Förderkürzung von zwei Millionen Barrel pro Tag. Seitdem erholte sich der Kurs wieder von dem vorangegangenen Tiefstand (bei ca. 84 USD). Aufgrund der wahrscheinlich anrollenden Rezession hat sich jedoch auch die Nachfrage bereits vermindert. Wir sehen daher kurzfristig stagnierende Kurse als das wahrscheinlichste Szenario an. Mittelfristig sollte die weiter absinkende Nachfrage, aufgrund der sich verschlechternden Konjunkturlage, jedoch die Preise nach oben hin begrenzen. Gleichzeitig sind aber weitere Interventionen seitens der OPEC+ nicht ausgeschlossen.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

Gold (USD je Unze) ► Seitwärtsbewegung

Rohöl (Brent in USD) ► Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - Gold (Spotpreis USD/Feinunze); Rohöl Brent (Forwardpreis USD/Barrel);

 

Devisen

US-Dollar:  Aktuell notiert der Euro-Dollar Wechselkurs knapp unterhalb der Parität. Gründe für die anhaltende Euro-Schwäche sind etwa die noch anhaltende Energiekrise im Euroraum, die ernster zu nehmen ist als die drohende Rezession in den USA. Letzterer liegt eine Intervention der amerikanischen Notenbank FED zugrunde, die die Zinsen im Zuge der Inflationsbekämpfung drastisch anhob. Solche Maßnahmen sind jenseits des Atlantiks durchaus üblich, weshalb sich die momentane Stärke des Dollars zum Euro davon unbeeindruckt zeigt. Voraussichtlich Mitte 2023, wenn Anleger in der Eurozone ein Ende der Krise erwarten, dürfte etwas Druck vom Euro genommen werden. In der näheren Zukunft wird ein Verharren des Kurses unterhalb der Marke von einem Dollar pro Euro erwartet. Kurze Ausschläge über die Parität sind möglich, jedoch dürfte sich ein Seitwärtstrend oberhalb von 0,97 Dollar pro Euro abzeichnen.

Schweizer Franken:  Im vergangenen Monat konnte der Euro gegenüber dem Schweizer Franken wieder an Fahrt gewinnen, jedoch befindet sich der Euro-Franken-Kurs immer noch unterhalb der Parität. Den Eidgenossen kommt eine relative Abwertung der heimischen Währung hinsichtlich der Exportwirtschaft zugute. Dem gegenüber steht allerdings die derzeitige Krisensituation im Euroraum, die den Franken als sicheren Hafen nach wie vor attraktiv erscheinen lässt. Solange Optimismus hinsichtlich der Lage in der EU nicht deutlich gerechtfertigt ist, wird der Euro gegenüber dem Franken im Hintertreffen bleiben. Erwartet wird eine Seitwärtsbewegung innerhalb der Spanne zwischen 0,96 und 0,99 Franken pro Euro.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

EUR / USD ► Seitwärtsbewegung

EUR / CHF ► Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - EUR/USD (EUR gegen USD); EUR/CHF (EUR gegen CHF);

 

 

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