Hypo Asset Management

Märkte im Fokus

08.06.2022

Juni 2022

Weltwirtschaft

Die Wirtschaft im Euroraum verliert zunehmend an Dynamik. Die massive Verteuerung reißt Löcher in die Haushaltskassen und scheint die Verbraucher zu veranlassen, mehr zu sparen. In den USA zeigt sich, dass sich der Preisauftrieb in der größten Volkswirtschaft der Welt zuletzt etwas abgeschwächt hat. Die Konsumentenpreise sind im April um 8,3 % gestiegen (nach 8,5 % im Vormonat). Auch die Kerninflation ging leicht von 6,5 % auf 6,2 % zurück. Auch der auf den Konsumausgaben basierende Preisindex PCE stieg im Jahresvergleich um 6,3 Prozent (nach 6,6 %) im Vormonat. Die Inflationsrate im Euroraum sprang von 7,4 % im April auf 8,1 % im Mai (Jahresveränderung). Die Lage in Österreich ist mit einer Schätzung von 8,1 % über dem Vorjahresmonat sowie um 1 % über dem Vormonat April ähnlich angespannt. Der Anstieg der Teuerung fiel damit noch stärker aus als erwartet. Stark zugelegt haben im Mai vor allem Energie und Nahrungsmittel. Aber auch der unterliegende Preisauftrieb hat weiter zugenommen. Die Kerninflationsrate (ohne die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel) kletterte von 3,5 % auf 3,8 %. Zudem belastet die hohe Schuldenquote. Die EU-Länder sind im vierten Quartal 2021 im Durchschnitt mit rund 88,2 % der Wirtschaftsleistung verschuldet, die Mitglieder der Eurozone durchschnittlich mit rund 95,6 % des BIP. Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen gibt es in Großbritannien weniger Arbeitslose als offene Stellen, die Arbeitslosenquote liegt fast auf einem 50-Jahres Tief. China hat nach 2 Monaten erste Lockerungsschritte in Shanghai gesetzt, doch nun mehren sich Berichte über Quarantänemaßnahmen in Peking. Das Wirtschaftswachstum könnte im 1. Quartal (auf das Jahr hochgerechnet) um 8 % gefallen sein. Jedoch deuten derzeit Stimmungsindikatoren aus der Wirtschaft auf eine spürbare Belebung der Wirtschaftsaktivitäten und damit den globalen Handel hin. Die Lieferketten nach Europa werden trotzdem wohl noch Wochen von den rigiden Lockdowns in China belastet sein.

 

Aktienmärkte

Die Aktienmärkte befinden sich zwischen Konjunktur- und Inflationssorgen. Veröffentlichte Fundamentaldaten – seien es Gewinn- oder Konjunkturzahlen – können es dem Markt nicht recht machen. Sind die Zahlen zu gut, wird von einer rascheren Straffung der Notenbanken ausgegangen und der Aktienmarkt leidet darunter. Sind die Zahlen zu schlecht wächst die Angst vor einem noch stärkeren Konjunktureinbruch und Aktien kommen ebenfalls unter Druck. In diesem Umfeld wäre ein stabiles Konjunkturumfeld mit einem leicht positiven Gewinnausblick der Unternehmen das Hilfreichste. Da kurz- bis mittelfristig nicht von so einem Umfeld ausgegangen werden kann, ist das wahrscheinlichste Szenario weiterhin ein seitwärts schwankender Aktienmarkt mit leicht positiver Tendenz. Denn bei einem Punkt sind sich die Analysten sicher – ohne Aktien lässt sich langfristig keine positive Realverzinsung erzielen. Eine taktische Positionierung fällt aktuell schwer. Es ist fraglich, ob die Bewertungsanpassung von Technologie-Titeln bereits abgeschlossen ist. Erst im Zuge der nächsten Earnings-Season wird es hier Klarheit geben. Auch Konsum-Titel haben zuletzt aufgrund schwacher Zahlen und geschrumpfter Gewinnmarge enttäuscht. Für China ist das Corona-Thema weiterhin ein nicht ausschließbarer Risikofaktor und die Emerging Markets leiden unter den gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreisen.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

Aktien USA (in USD) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Europa (in EUR) ►Seitwärtsbewegung

Aktien Japan (in JPY) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Pazifik ex Japan (in USD) ► Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - Aktien USA (S&P 500 TR Index); Aktien Europa (STOXX Europe 600 NR Index); Aktien Japan (Nikkei 225 Index); Aktien Pacific ex Japan (MSCI TR Net AC Asia Pacific Ex Japan USD Index);

 

Geld- und Kapitalmarkt

In den zurückliegenden Tagen haben zahlreiche EZB Ratsvertreter das Wort ergriffen und sich für eine Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik ausgesprochen. Die zunehmenden Stagflationssorgen (stagnierende Wirtschaft bei hoher bzw. ansteigender Inflation), die Lage im Osten Europas und Druck der Marktteilnehmer könnten die EZB doch dazu bewegen bald zu reagieren und Zinsschritte verfrüht einzuleiten. Wir rechnen zusätzlich zu dem Stilllegen der milliardenschweren Anleihenkaufprogramme Ende Sommer 2022, mit einer ersten Erhöhung des Einlagensatzes bereits innerhalb der nächsten 3 Monate und einer ersten Leitzinsanhebung in 4. Quartal dieses Jahres.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

3-Monats EURIBOR ► Seitwärtsbewegung

10 Jahres Zins EUR* ► Seitwärtsbewegung

* enstpricht dem jeweiligen 10-Jahres Swapsatz

 

Rohstoffe

Gold:  Seit Jahresbeginn konnte sich der Preis einer Feinunze Gold nur minimal nach oben bewegen und notiert nun ca. 1% höher bei einem Kurs um die 1.850 USD. Der höchste Stand wurde Anfang März verzeichnet (kurz nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts) und lag damals bei ungefähr 2.050 USD pro Unze. Seit dem Einmarsch Russlands gab der Kurs daher um etwas mehr als 10 % nach. Die hohe Inflation (vor allem in den USA) sollte den Goldkurs jedoch etwas stützen und es sieht aktuell auch so aus, als hätte der Goldpreis einen Boden gefunden. Die Prognosen zogen in den letzten Monaten etwas an und gehen nun von einem Preis von ca. 1.850 USD bis Ende 2022 aus (also nahe am aktuellen Niveau). Wir sehen einen kurzfristigen Seitwärtstrend als das wahrscheinlichste Szenario. Mittelfristig sollten ein schwächerer US-Dollar sowie die hohe Inflation aber zu einem moderaten Anstieg führen.

Rohöl:  Rohöl ist die am besten performende Assetklasse dieses Jahr. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg seit Jahresbeginn um ca. 55 % an. Etwas mehr als 20 % entfallen dabei auf den Anstieg nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Das Öl-Embargo gegen russisches Erdöl heizte die Rohstoffmärkte weiter an. Die bisherigen Outputsteigerungen der OPEC+ waren nicht ausreichend, um diese Verknappung des Angebots auszugleichen und war eher nur  von symbolischer Natur. Bei den derzeitigen Preisen befindet sich die Weltwirtschaft auf einem ähnlichen Pfad wie 1985, als die Ausgaben für Rohölerzeugnisse 4,7 % des globalen BIP ausmachten. Dies markierte jedoch auch einen Wendepunkt. Die verringerte Nachfrage führte in Folge wieder zu einem Preisverfall. Kurzfristig sehen wir jedoch aufgrund des geringeren Angebots keine Entspannungstendenzen an den Rohölmärkten. Mittelfristig sollte ein Rückgang der Nachfrage (bei einem gleichzeitigen Ausbau des Angebots) jedoch wieder zu fallenden Preisen führen.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

Gold (USD je Unze) ► Seitwärtsbewegung

Rohöl (Brent in USD) ► Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - Gold (Spotpreis USD/Feinunze); Rohöl Brent (Forwardpreis USD/Barrel);

 

Devisen

US-Dollar:  Die anhaltenden Unsicherheiten rund um die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bzw. der nur undeutlich erkennbare Plan wie diese mit dem Thema Inflation auf Rekordniveau umzugehen gedenkt, belasten weiter den Euro. Für eine weitere Erholung der Gemeinschaftswährung wäre hier ein deutlicheres Signal der EZB in Richtung Beschleunigung der Zinswende notwendig. Je länger hier gezögert wird, desto heftiger werden wohl später gesetzte Maßnahmen ausfallen müssen. Den Devisenmarkt schätzen wir in den nächsten Monaten beim Währungspaar EUR/USD als abwartend ein und gehen von einer volatilen Seitwärtsbewegung bei Kursen zwischen 1,05 und 1,08 USD pro Euro aus.

Schweizer Franken:  Die Schweizerische Notenbank hat mit dem starken Franken aktuell kein Problem, da er inflationsdämpfend wirkt, zum Beispiel bei der Beschaffung von Energie im Ausland. Von der für Juli erwarteten Zinsanhebung im Euroraum profitiert der Euro nur teilweise. Es ist davon auszugehen, dass auch die SNB mit etwas Verzögerung an der Zinsschraube drehen wird und sich somit die Zinsdifferenz in Grenzen halten wird. Deshalb sehen wir den Euro zum Franken in einer fortgesetzten Konsolidierungsphase, stabil über der Parität und einem beschränkten Aufwärts-Potential bei Kursen um die 1,05 Franken pro Euro.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

EUR / USD ► Seitwärtsbewegung

EUR / CHF ► Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - EUR/USD (EUR gegen USD); EUR/CHF (EUR gegen CHF);

 

 

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