Hypo Asset Management

Märkte im Fokus

12.01.2023

Weltwirtschaft

Für das erste Halbjahr 2023 gehen wir von folgendem Konjunkturszenario aus: Nach einer leichten Rezession im Winter bessert sich die Konjunktur im Euroraum ab Frühjahr wieder. Global bleibt das Wachstum gedämpft. Die Inflation sinkt wieder und die Notenbanken agieren zusehends vorsichtiger.

Im Detail:
In den USA ist das Lohnwachstum im Vergleich zum Vorjahr von 4.8 % im November weiter auf 4.0 % gesunken. Dies deutet auf eine dauerhaftere Abwärtsbewegung hin.  Auch fielen die Inflationszahlen für Dezember tiefer aus, auch die Kerninflation. Somit bietet sich der US-Notenbank ein Argument, den Zinsanhebungszyklus in diesem Jahr zu pausieren. Das Geldmengenwachstum hat sich bereits in den letzten Monaten markant abgeschwächt.

Die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum sind im Dezember entgegen den Erwartungen gestiegen. Der Index für den Dienstleistungssektor legte um 0,6 Punkte auf 49,1 zu. Der Index für das verarbeitende Gewerbe verbesserte sich um 0,7 Punkte auf 47,8. Auch die Produktion im deutschen produzierenden Gewerbe ist im November gegenüber Oktober leicht um 0,2 % gestiegen. In der Industrie im engeren Sinne fiel das Plus mit 0,5 % noch etwas stärker aus. Damit bewegt sich die Produktion trotz der seit Frühjahr rückläufigen Nachfrage weiter seitwärts, da die Unternehmen unverändert über einen sehr großen Auftragsbestand verfügen. Die Erzeugerpreise in Deutschland waren im November immer noch 28,2 % höher als vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat sind sie allerdings wie im Oktober kräftig gefallen, insbesondere weil sich Energie weiter verbilligt hat. Aber auch bei den anderen Gütern scheint die Aufwärtsdynamik nachzulassen.

In China wurden wachstumsunterstützende Maßnahmen der Regierung angekündigt. Zusammen mit der Beendigung der strikten Null-Covid-Politik haben sich die bislang düsteren Wachstumsaussichten verbessert.

 

 

Aktienmärkte

Wir rechnen mit schwankungsanfälligen Aktienmärkten, deshalb halten wir eine zu offensive Positionierung für verfrüht. Die Aussichten am Aktienmarkt haben sich für 2023 aufgehellt und es ist realistisch, dass sich das Sentiment zusehends verbessert. Dennoch sehen wir vorläufig ein schwieriges Fahrwasser.

In den USA belastet die Zinserhöhung die Konjunktur. Zusammen mit der Inflation ergibt sich für die Unternehmen ein erhöhter Margendruck. Zeitgleich schwächeln Konsum und Immobilienmarkt. Die Analystenprognosen für die startende Earnings-Season sind bescheiden. Dennoch kann es insbesondere beim Unternehmensausblick zu Überraschungen kommen.

Für Europa hat sich die Situation verbessert, was die Aktienmärkte schon seit Mitte Dezember mit Kursanstiegen honoriert haben. Die Versorgungssituation iS Energie hat sich aufgrund des sehr milden Winters entspannt. Davon profitiert die Industrie und das Anlegersentiment klärt sich auf. Wir denken nicht, dass Europa mittel- bis langfristig über den Berg ist. Die Situation in Zusammenhang mit dem Ukrainekonflikt bleibt belastend. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Zinsschritte der Notenbanken - obgleich vom Markt bereits eingepreist - immer wieder für Turbulenzen und Kursrückgängen sorgen werden.

In Summe erwarten wir für den Aktienmarkt ein turbulentes Frühjahr und gehen nicht davon aus, dass sich die positiven ersten beiden Wochen so fortsetzen werden.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

Aktien USA (in USD) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Europa (in EUR) ►Seitwärtsbewegung

Aktien Japan (in JPY) ► Seitwärtsbewegung

Aktien Pazifik ex Japan (in USD) ►Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - Aktien USA (S&P 500 TR Index); Aktien Europa (STOXX Europe 600 NR Index); Aktien Japan (Nikkei 225 Index); Aktien Pacific ex Japan (MSCI TR Net AC Asia Pacific Ex Japan USD Index);

 

Geld- und Kapitalmarkt

Bereits Ende letzten Jahres wurde von der EZB ein geändertes TLTRO III Regelwerk vorgestellt, wodurch sich Banken mit ihrer aufgenommenen Überschussliquidität deutlich schlechter gestellt sehen und TLTRO III Zinsgewinne nahezu verschwinden. Die noch ausständigen TLTRO III Gelder schrumpfen dadurch um 38 % auf 1,3 Billionen Euro, wodurch sich die aufgeblasene Notenbankbilanz erheblich verringert.
Die zuletzt deutlich gesunkenen Energiepreise, die hauptsächlich auf den milden Winter zurückzuführen sind, beeinflussen auch die Preise am Strommarkt, welche ebenfalls stark gefallen sind. Trotzdem kann an der Inflationsfront noch keine Entwarnung gegeben werden, da die niedrigeren Preise sich bei den Konsumenten erst mit Verzögerung bemerkbar machen werden. Diese Entwicklungen dürfte die Inflationsrate mittelfristig zwar senken, allerdings wird kurzfristig sogar ein Anstieg der Europäischen Inflationsrate erwartet, da in einigen Ländern zum Jahresende staatliche Entlastungen weggefallen sind und viele Unternehmen Preise deutlich erhöht haben.

Der Markt preist demzufolge bei der nächsten EZB Sitzung einen weiteren großen Zinsschritt um 50 BP ein, der voraussichtlich nicht der letzte Schritt 2023 sein wird.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

3-Monats EURIBOR ► Seitwärtsbewegung

10 Jahres Zins EUR* ► Seitwärtsbewegung

* enstpricht dem jeweiligen 10-Jahres Swapsatz

 

Rohstoffe

Gold:  Zu Jahresbeginn kostete eine Feinunze Gold um die 1.825 USD. Aktuell befindet sich der Goldkurs bei ca. 1.870 USD. Investoren konnten daher seit Jahresbeginn eine Rendite von beinahe 2,5 % erzielen. In den letzten Monaten konnte sich das Edelmetall überaus gut entwickeln, was auch auf die erhöhte Nachfrage von Notenbanken weltweit (vor allem aus angeschlagenen Emerging Market Ländern wie zB.: die Türkei und Russland) zurückzuführen ist. Nach einem Tiefpunkt von ca. 1.620 USD Anfang November 2022 konnten sich Anleger über ein sattes Plus von um die 15 % freuen (in USD). Der langsam zu Ende gehende Zinsanstiegszyklus der Notenbanken sollte den Kurs des Edelmetalls in den nächsten Monaten nach unten hin stützen. Gleichzeitig könnte ein wieder stärker werdender Dollar eine Decke nach oben hin bilden. Kurzfristig sehen wir den Goldkurs nach der starken Rally zuvor wieder etwas schwächer im aktuellen Umfeld. Sobald die weltweiten Notenbanken ihre Geldpolitik wieder etwas expansiver gestalten (um die drohende Rezession im Griff zu halten), sollte auch der Goldkurs davon wieder profitieren können.

Rohöl:  Lag der Preis für ein Barrel Rohöl zu Jahresbeginn noch bei ca. 86 USD, so muss ein Investor für die gleiche Menge nun aktuell ca. 80 USD zahlen. Damit ist der Preis jedoch schon um einiges niedriger als zum Letztjahreshoch (ca. 128 USD). Hauptgrund dafür sind die zunehmenden Konjunktursorgen und die damit einbrechende Nachfrage. Auch konnte Europa den angekündigten Schock bisher (relativ) gut verkraften und entsprechende Vereinbarungen mit Ländern aus dem Nahen Osten abschließen. Die schneller als erwartete Öffnung Chinas (nach der COVID-19 Pandemie) sollte die Nachfrage in den kommenden Monaten stützen und eine Grenze nach unten bilden. Wir sehen daher kurzfristig leicht steigende Kurse als das wahrscheinlichste Szenario an. Mittelfristig sollte die weiter absinkende Nachfrage, aufgrund der sich verschlechternden Konjunkturlage, zwar die Preise nach oben hin begrenzen, die erhöhte Nachfrage aus China am Weltmarkt jedoch positiv wirken. Gleichzeitig sind weitere Interventionen seitens der OPEC+ nicht ausgeschlossen. Wodurch wir insgesamt von einem stagnierenden Kurs ausgehen.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

Gold (USD je Unze) ► Leichte Abwärtsbewegung

Rohöl (Brent in USD) ► Leichte Aufwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - Gold (Spotpreis USD/Feinunze); Rohöl Brent (Forwardpreis USD/Barrel);

 

Devisen

US-Dollar:  Das vergangene Jahr stand im Zeichen einer kontinuierlichen Dollaraufwertung, jedoch scheint der Abwärtstrend des Euro gegenüber dem Dollar vorerst gebrochen. Als Hauptgrund dafür kann eine bisherige Überbewertung der Rezession im Euroraum gesehen werden. Durch einen leichten Rückgang der Inflation auf beiden Seiten des Atlantiks, sowie der Tatsache, dass viele ihrer Auswirkungen als mittlerweile eingepreist gelten, hat auch diese ihren Schrecken verloren. Zusätzlich konnte in den vergangenen Wochen eine Asymmetrie hinsichtlich der Reaktion auf Wirtschaftsdaten in den USA beobachtet werden. Während positive Nachrichten keine nennenswerte Aufwertung mehr zur Folge hatten, resultierten negative Ergebnisse unmittelbar in entsprechenden Kursbewegungen des Dollars. Alle diese Gründe sprechen dafür, dass der Euro seine Stärke gegenüber dem Dollar zumindest in der näheren Zukunft beibehalten können wird und sich der Kurs in den kommenden Wochen innerhalb der Spanne von 1,08 und 1,06 Dollar pro Euro bewegen wird.

Schweizer Franken:  Gegen Ende letztens Jahres gewann der Euro gegenüber dem Franken wieder etwas an Auftrieb, jedoch notiert der Euro-Franken-Kurs unverändert unterhalb der Parität. Dies ist womöglich dem Umstand geschuldet, dass der Franken neben der vergleichsweise stabilen Wirtschaftslage in der Schweiz auch von seinem Nimbus als sicherer Hafen profitieren kann. Vorallem seit Beginn des Ukrainekonflikts vor einem Jahr und den daraus resultierenden Unsicherheiten dient der Franken als Fluchtwährung. Derzeit sieht die Schweizer Notenbank SNB keine Überbewertung, es bleibt jedoch abzuwarten, ob sie diese Meinung auch im neuen Jahr beibehält. Aktuell notiert der Kurs bei 0,99 und es wird auf kurze Sicht ein Seitwärtstrend zwischen 0,99 und 0,97 Franken pro Euro erwartet.

Prognosen auf 3-Monats-Sicht

EUR / USD ► Seitwärtsbewegung

EUR / CHF ► Seitwärtsbewegung

Quelle: Bloomberg - EUR/USD (EUR gegen USD); EUR/CHF (EUR gegen CHF);

 

 

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